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Kath. Kirchengemeinde St. Josef-Kinderhaus
 

ADVENT 2011

ADVENT 2011

„Dein Reich komme“

Manch einer, der unsere Kirche in diesen Adventstagen besucht, wird sich möglicherweise zunächst ein wenig suchend umblicken - weil er den traditionellen Adventskranz aus Tannengrün vermisst. Erst auf den zweiten Blick wird er dann vielleicht erkennen, dass wir in diesem Jahr einen “Adventskranz-Kalender-Leuchter” über dem Altar hängen haben, der neben den vier violetten Kerzen für die vier Sonntage auch 24 kleine Lichter besitzt, die nach und nach an den Dezembertagen entzündet werden sollen: Sie zieren die zwölf Stadttore des himmlischen Jerusalem. Und damit ist er bereits “mitten drin” in unseren Überlegungen für die diesjährige Adventszeit, die unter dem Motto “Dein Reich komme” stehen. Die Bitte, die wir alle aus dem Vater-unser kennen, heißt auf Lateinisch “Adveniat regnum tuum”: Sie war vor einem halben Jahrhundert Namensgeber für das Bischöfliche Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Wir spüren, nicht nur im Blick auf die vielen Nöte in Lateinamerika und an so vielen Orten der Welt (auch bei uns!), dass das Reich Gottes noch nicht vollendet ist, dass wir angewiesen bleiben auf Gottes liebende Verheißungen und Zusagen. Was wir über die Endzeit wissen, in der der alte Himmel und die alte Erde vergehen und etwas ganz Neues beginnt, haben wir vor allem der Bibel entnommen. Neben den Gleichnissen, in denen Jesus vom Reich Gottes gesprochen hat, ist es besonders das letzte Buch der Heiligen Schrift, die Offenbarung des Johannes, die in großen Visionen beschreibt, wie Gott seine Herrschaft eines Tages vollenden will. Das himmlische Jerusalem besitzt (vgl. Offb 21) - im Anklang an die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel - zwölf von Engeln bewachte Tore, durch die die Menschen aller Stämme und Sprachen strömen. Alles ist aus Gold und mit kostbaren Perlen oder edlen Steinen besetzt. In dem wunderbaren israelischen Lied “Jerusalem” (“Ihr Mächtigen, ich will nicht singen!”) wird erzählt, dass diese Perlen die verwandelten Tränen sind, die die Menschen während ihrer Lebenszeit vergossen haben.
Um deutlich zu machen, dass alle Gemeindemitglieder mit ihren je eigenen Lebens- und Leidensgeschichten ihren Platz in diesem Himmelsreich haben werden, so unsere Hoffnung, durfte am Christkönigswochenende jedermann und jede Frau eine Perle auswählen und auf die Stadtmauern kleben - 480 kleine und große Menschen haben sich an der Aktion beteiligt.
Auch die Tatsache, dass unser himmlisches Jerusalem (das nach der Apokalypse einen quadratischen Grundriss haben wird!) genau über dem Altar hängt, schlägt einen Bogen von der Endzeit zum Hier und Heute: Denn wenn wir uns um den Tisch des Herrn versammeln, um miteinander Eucharistie zu feiern, wird das Gottesreich schon jetzt zu einer gegenwärtigen Wirklichkeit.
Vielleicht fühlt sich der eine oder andere von unserm himmlischen Jerusalem an die Radleuchter des Mittelalters erinnert, wie man sie beispielsweise aus dem Aachener und Hildesheimer Dom kennt. Letztlich geht es all diesenAdventsleuchtern darum, über das erinnernde Warten, das an Weihnachten seine Erfüllung findet (wenn wir feiern, dass Jesus vor 2000 Jahren geboren wurde und dass diese Menschwerdung auch für uns geschieht) das bleibende Warten auf den zweiten, endgültigen Advent lebendig zu halten: Am Ende der Tage wird er wiederkommen und uns einladen in seine Heilige Stadt...

Dank dem Liturgieausschuss, der dieses Projekt von Anfang an mitgetragen hat; Dank all denen, die mit ihrer Perle zur Gestaltung beigetragen haben, und Dank all denen, die sich in den kommenden Wochen auf unseren Adventskranz-Kalender-Leuchter und die mit ihm verbundenen Gedanken und Gesänge einlassen - auch wenn sie den traditionellen Adventskranz doch ein bisschen vermissen...

Jan Magunski, Pfr.